Abmahnungen – das schnell verdiente Geld

Keine Frage, wer etwas nimmt, was ihm nicht gehört, der muss bestraft werden. In Zeiten des Internets werden solche Bestrafungen immer öfter ausgesprochen. In Form von Abmahnungen, die – vor allem von Fotografen – in Auftrag gegeben werden. Auch hier: Wer ein Foto unberechtigter Weise verwendet und die Angabe des Urhebers versäumt oder wer gar wissentlich Bilder klaut und auf seiner Website veröffentlicht, der braucht sich nicht zu beklagen, wenn er eine Abmahnung erhält. Ich selbst bin als Texter, Autor und Redakteur nicht erbaut, wenn jemand meine Texte kopiert und bei sich veröffentlichen würde. Daher kann ich das auch vollkommen nachvollziehen.

Jetzt kommt das große „Aber“: Die Machenschaften mancher Fotografen sind so hinterhältig und link, dass einem schon nichts mehr gegen eine solche Unverfrorenheit einfällt. Zwei Beispiele möchte ich Ihnen im Folgenden aufzeigen. Zwei Beispiele, die mich mehrere hundert Euro kosten werden bzw. gekostet haben, wobei ein Fall noch zur Klärung zu meinem Anwalt geht.

Wer suchet, der findet

Manchmal hat es den Anschein, dass Fotografen den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als gaffender Weise vor dem PC zu sitzen und nach Bildern von sich auf anderen Seiten zu suchen. Kaum ist eine Seite gefunden, wird diese genauestens inspiziert. Wird dort nur der geringste Verstoß gefunden, wird abgemahnt. Ist ja schließlich schnell verdientes Geld. Uninteressant sind die Umstände, wie es dazu gekommen ist. Auch wird auf keinen Fall der Websitebetreiber angeschrieben, um den – in vielen Fällen unbeabsichtigten – Fehler zu bereinigen. Nein, hier lockt das schnelle Geld. Bei Geld werden eben die meisten schwach. Menschlichkeit, Fairness und solche Wörter kommen bei vielen im Sprachgebrauch gar nicht vor. Aber nun zu den konkreten Beispielen:

1. Abmahnung Harald B.

Seines Zeichens Fotograf aus München und jemand, der sich scheinbar mit Abmahnungen auskennt, denn der erste Eintrag bei Google mit seinem Namen wird gleich mit Abmahnungen in Verbindung gebracht. Hinzu kommt, dass ich das Schreiben nicht von seinem Anwalt erhielt, sondern von ihm persönlich – er weiß also, was er tut.

Abgemahnt wurde folgendes: Ich hatte ein Foto von Herrn B. verwendet, das er auf wikipedia unter einer CC-Lizenz veröffentlichte. Die Urheberangabe platzierte ich direkt unter dem Foto und zwar in dieser Form: „Foto: Harald B.“. Die Angabe zur Lizenz war unter dem Artikel mit Verlinkung zu finden. Hier machte ich den ersten Fehler, denn die Lizenz gehört direkt ans Foto. OK, da lass ich ja noch mit mir reden, war mein Fehler. Ob man deswegen abmahnen muss, das steht auf einem anderen Blatt und kann jeder selbst beurteilen.

Nun kommen wir zu meinem eigentlichen Verstoß: Das Bild im Artikel konnte direkt angeklickt werden, wodurch sich ein neues Fenster öffnete und das Bild, so wie es in der Datenbank abgelegt wurde, erscheint. Ohne Text und natürlich auch ohne Urheberangabe. Dies wurde von Herrn B. ebenso abgemahnt, wie die Vorschau des Artikels in der Kategorieübersicht, in der der Artikel angerissen und das Foto vom System als Vorschaubild zugefügt wurde. Auch hier ohne Urheberangabe. Sicherlich, wenn man es ganz genau nimmt, gehören die da natürlich auch hin, aber sorry, erstens ist das beim CMS gar nicht möglich und zweitens ist das Korinthenkackerei. Das Foto im Artikel wurde ja mit Namen versehen, von einem Bilderklau kann hier also wohl kaum die Rede sein.

Trotzdem hat mir mein Anwalt gesagt, dass Herr B. damit vor Gericht durchkommen würde. Ich schrieb den Herrn dann per Mail noch an, erklärte ihm den Fall und bat ihn um eine gütliche Einigung. Dies lehnte er ab. Sein gutes Recht, aber sicherlich nicht die feine Art. Aber was will man von jemandem erwarten, der mit seinem Namen und dem Wort „Abmahnung“ Platz 1 bei Google innehat.

2. Abmahnung Eva-Maria R.

Nur eine Woche später flatterte mir die nächste Abmahnung ins Haus. Dieses Mal von einer Anwaltskanzlei Wolf H. in Siegen, die im Auftrag einer Eva-Maria R. handelte.

Abgemahnt wurde folgendes: Ich hatte auf meiner Homepage einst ein Bild dieser Frau R. in Verwendung, ein Foto von Pixelio, zu dem ich sie als Urheber genannt und auch zu Pixelio verlinkt hatte. Aufgrund einer Umstrukturierung meiner Seite habe ich das Bild mitsamt Artikel vor Monaten bereits gelöscht, versäumte es allerdings, das Foto komplett aus meiner Datenbank zu nehmen. Das heißt, dass es also noch vorhanden war.

Allerdings nicht mehr sichtbar auf der Website, sondern nur noch erreichbar, wenn man die direkte URL eingeben würde die mit „…?attachment_…“ und einer Zahl auf das Foto hinwies. Diese URL findet niemand und somit ist dieses Foto meiner Meinung nach auch nicht öffentlich zugänglich. Gefunden wurde es von besagter Dame wohl nur, indem sie die Bildersuche bei Google befragte und dort auf meine Seite stieß, also auf ein Foto, das ich gar nicht mehr verwende.

Ob die Abmahnung rechtmäßig ist, das wird mein Anwalt nun klären. Aber schon allein diese Vorgehensweise besagt doch so einiges über den Charakter der Frau Eva-Maria R. und der Anwaltskanzlei H.. Wenn ich will, finde ich immer und überall etwas. Man muss nur lange genug suchen.

Ich finde es im Übrigen nicht bedenklich, dass hier abgemahnt wird, denn solche Leute haben scheinbar keine anderen Hobbys und sind in meinen Augen – ich sage es mal vorsichtig – arme Würstchen. Ich finde es bedenklicher, dass solche Machenschaften in unserem Rechtsstaat überhaupt möglich sind. Schon allein deshalb, weil es ein Dunkelbereich ist, bei dem keiner so recht weiß, was nun erlaubt ist und was nicht und sich wohl jeder in die Nesseln setzt. Hier müssen Grundsatzurteile her und zudem müssen Urheberrechtsangaben sowie Lizenzangaben vereinheitlicht  und stark vereinfacht werden. Bevor dies nicht einheitlich geregelt ist, sollten Abmahnungen in den oben genannten Fällen gar nicht ausgesprochen werden dürfen. Zumindest keine, die solche Kosten nach sich ziehen.

Genau  hinsehen

Der Artikel soll nicht als Jammerei rüberkommen, sondern anderen Webmastern zeigen, was alles möglich ist. Macht Eure Seiten abmahnsicher. Schreibt die geforderten Lizenz- und Urheberangaben so hin, wie gewünscht. Verzichtet auf Vorschaubilder oder arbeitet mit dem more-tag (bei WordPress), so erscheint die Bildunterschrift auch in der Übersicht. Stellt die Fotos so ein, dass sie nicht separat angeklickt werden können und löscht, wenn Ihr Fotos nicht mehr braucht, das gesamte Bild aus der Datenbank. Vielleicht konnte ich Euch so einiges ersparen.

Nachtrag: Ursprünglich hatte ich die Namen beider Abmahner ausgeschrieben. Da sich hier aber Persönlichkeitsrecht und Pressefreiheit gegenüberstehen, möchte ich nicht noch eine Abmahnung riskieren. Es steht Euch jederzeit frei, sich nach den Namen bei mir zu erkundigen.

Aktueller Stand: Auch beim zweiten Fall würde der Abmahnende vor Gericht Recht bekommen. Das heißt: Sofern Fotos auf einer Website nicht mehr verwendet werden, komplett aus der Datenbank löschen. Solange die Fotos noch irgendwie – und sei es nur vom Abmahnenden per Google Bildersuche, gefunden werden und dort kein Urheber genannt ist, wird munter abgemahnt. Ja, so ist das in Deutschland!

8 thoughts on “Abmahnungen – das schnell verdiente Geld

  1. Ich habe bisher auch nur gute Erfahrungen mit Fotolia gemacht, da wie schon von Susann angesprochen eine Autorennennung im Impressum ausreichend ist. Damit erspart man sich das lästige Einfügen von Namen unter jedem Bild und kann einfach in kurzer Zeit eine komplette Übersicht aller verwendeten Bilder mit dazugehörigem Urheber erstellen. Ist viel übersichtlicher und man verliert auch nicht den Überblick.

  2. Das mit den Abmahnungen tut mir für dich leid! Ich finde es jedenfalls super von dir, dass du damit an die Öffentlichkeit gehst. Ich hatte nicht den Mut dazu, denn ich habe schreckliche Hintergründe in mühsamer Recherchearbeit herausgefunden. Glaube, die lassen einen nicht einfach so davon kommen, da steckt nämlich ein sehr, sehr lukratives Geschäftsmodell dahinter, das von einer gut organisierten Mafia geführt wird. Wie ich herausfand, setzt sie sich aus Fotografen, Anwälten, Steuer- und Unternehmensberatern zusammen. Rein steuerrechtlich ist das Abmahnen von kostenlosen Bilder etwas sehr Feines, Hier fällt nicht mal Steuer oder sonstige Abgabe an, muss nicht mal in der Steuer erklärt werden, denn es unterliegt keiner der 7 Einkommensarten. Das klappt aber nur, weil die Bilder auch sonst keinen Erlös bringen würden. Die Abmahnung beruft sich ja auf eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts …..

    Aber auch diese Leute machen Fehler und wenn man eine Abmahnung bekommt, hat man ja ganz schön viele Daten von seinem Gegenüber, mit denen man dann noch herumspielen kann und mega viele Infos findet. So ging es mir jedenfalls.

    Bei mir war es übrigens ähnlich, wie du es in deinem 2. Fall beschreibst. Ich habe nach einer Theme-Umstellung meines Blogs irgendwo auf dem Server noch ein Bild gehabt, dass ich nicht mal verwendet habe.

    Sehr bitter und eiskalt ist übrigens die Härte und Unmenschlichkeit, mit der diese organisierten Verbrecher vorgehen. Kurz vor Weihnachten 1.800 Euro zu fordern …

    Die Bildergeschichte ist aber nicht alles, du kannst heute jeden, wegen fast jedem Pups abmahnen. Das macht keinen Spaß! Und wenn ich mir die Seiten und Blogs von Kollegen etc.ansehe, fände ich IMMER einen Grund für eine Abmahnung. Alleine schon der Datenschutz, den man an sovielen Stellen verletzen kann ist enorm. Dann ist ja im Prinzip vieles Schleichwerbung und wie du schreibst, wer etwas finden will….

    Und je bekannter man wird, desto schlimmer wird das.

    Schade, hier sollte echt mal etwas geschehen.

  3. Zwei meiner Kunden berichteten mir dieser Tage ebenfalls von „geschickt eingefädelten“ Abmahnungen in Bezug auf Bilder. Mir sind derartige Vorfälle zum Glück bisher erspart geblieben, denn ich stelle auf meinen Seiten nur eigene Fotos ein.

  4. Der Artikel ist tatsächlich sehr interessant. Ich verwende mittlerweile nur noch Fotos von Fotolia.com, da ich Pixelio etc. nicht wirklich traue.

    Der eine sagt so, der andere sagt so. Am Ende weiß ich nicht, was darf ich und was nicht?

    Grauenhaft, weswegen man in Deutschland so klagen darf.

  5. Äußerst interessanter Beitrag, zumal ich selbst häufig Fotos von pixelio.de verwende.
    Mit dem Abmahn-Wahnsinn hatte ich das Letztemal vor Jahren zu meinen Zeiten als Ebay-Powerseller zu tun. Nachdem ich einen Foren-Eintrag und Aufruf direkt bei Ebay gestartet hatte, und wir so dem dubiosen Herren eine Massenabmahnung nachweisen konnten, kam nach ein paar Tagen ein Brief seiner Anwältin, mit dem Hinweis, bei meiner Abmahnung hätte es sich um ein bürotechnisches Versehen gehandelt 😉
    Zu guter Letzt konnten wir dem windigen Gesellen sogar noch nachweisen, dass er bei eBay mit nachgemachten Gucci-Schuhen handelte, und der Schuss ging somit für ihn ganz gehörig nach hinten los. Mein Tipp an alle Betroffenen: Nicht einfach so zahlen, sondern wehren!

  6. Danke Susann für Deine Einschätzung. Ich hatte mich schon an einen Spezialisten gewendet, der mir nahegelegt hat, es nicht drauf ankommen zu lassen. Er meint, dass der Urheber in diesem Fall wohl Recht bekommen würde. Evtl. ginge es nur noch um die Höhe, aber wenn ich mir da 50 Euro spare und 200 dem Anwalt zahle, das überlegt man sich schon. Das mit den Lizenzbedingungen ist in diesem Fall bei wikipedia so. Das mit der Lizenz scheint schon mit reinzuspielen, da er sein Foto ja nur unter den entspechenden Lizenzbedingungen zur Verfügung stellt, die dann eben angegeben werden müssen.

    Vom zweiten Fall hab ich noch keine Antwort, da werde ich am Donnerstag mit dem Anwalt plaudern. Ich werde auf jeden Fall berichten.

  7. Da würde ich vielleicht nochmal einen anderen Anwalt zu Rate ziehen, oder wenigstens in Foren stöbern. Das ist ja doch etwas ganz Spezielles – sowohl bei Harald und Eva-Maria.
    Ein jedes Bild ist über einen direkten Link erreichbar.

    Und ob ein Verstoß wegen Lizenzbedingungen (unter dem Foto / unter dem Artikel) etwas mit Urheberrecht zu tun haben wage ich zu bezweifeln! Im Urheberrecht steht sicher nur dass der Urheber genannt werden muss.

    Ich kann übrigens Fotolia empfehlen. Haben gute Bilder – Autornennung im Impressum reicht.

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